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KI-Markenmonitoring: was die Plattformen wirklich berichten

Google und Microsoft veröffentlichen beide Daten zur Sichtbarkeit in KI-Antworten — und messen Unterschiedliches. Was in den Berichten steht, was in keinem steht, und wie eine belastbare Baseline entsteht.

4 Min. LesezeitAktualisiert 26. Aug. 2026

Klassisches Medienmonitoring zählt Erwähnungen. KI-Antwortmaschinen zeigen meist keine Erwähnungen, sondern Zitationen: einen Link auf die eigene Seite als Quelle. Bevor ein Tool gekauft oder ein Ziel gesetzt wird, lohnt der Blick darauf, welche Zahlen die Plattformen selbst herausgeben — mehr First-Party-Evidenz gibt es nicht.

Genau zwei Plattformen veröffentlichen überhaupt etwas. Sie sind sich uneinig, was zählenswert ist, und aus dieser Lücke entsteht der Großteil der Verwirrung um „Share of Voice in KI“.

Was gesichert ist

Alles Folgende stammt aus der Dokumentation der Plattformen, nicht aus Anbieter-Benchmarks.

  • Google berichtet ausschließlich Impressionen. Der Bericht zur Leistung generativer KI zählt, wie oft Links auf die eigene Seite in einer generativen KI-Funktion der Google Suche gezeigt wurden — über AI Overviews und AI Mode. Aufschlüsselung nach Seiten, Ländern, Daten und Geräten.
  • Query-Daten gibt es dort nicht. Keine Klicks, keine CTR, keine Position, keine Suchanfragen. Traffic aus KI-Funktionen läuft im normalen Leistungsbericht unter dem Suchtyp „Web“ mit und wird nicht separat ausgewiesen.
  • Nicht jede Property hat den Bericht. Laut Google erfolgt der Rollout schrittweise. Ein leerer Bericht ist also kein Beleg für fehlende Sichtbarkeit.
  • Microsoft berichtet Zitationen und eine Share-Metrik. AI Performance in den Bing Webmaster Tools deckt Copilot, KI-Zusammenfassungen in Bing und ausgewählte Partnerintegrationen ab: Total Citations, Average Cited Pages und Zitationen auf Seitenebene.
  • „Grounding Queries“ sind keine Nutzer-Prompts. Microsoft definiert sie als die Phrasen, mit denen die KI Inhalte abgerufen hat — die Retrieval-Ebene, nicht die Eingabe eines Menschen.
  • Citation Share kommt Share of Voice am nächsten: der Anteil der Zitationen der eigenen Seite an allen Zitationen zur selben Grounding Query. Microsoft stellt ausdrücklich klar, dass es sich um eine beobachtende Kennzahl handelt, nicht um ein Ranking oder eine Wettbewerbstabelle, und dass keine Wettbewerber-Domains offengelegt werden.
  • Das Opt-out ist eng umrissen. Googles Steuerung betrifft AI Overviews, AI Mode und generative KI in Discover. Wer aussteigt, verliert Impressionen und Traffic dieser Flächen, beeinflusst damit aber kein Ranking an anderer Stelle und auch kein KI-Training.

So läuft die Arbeit

Ziel ist eine Baseline, die im Review standhält — keine Kennzahl ohne Quelle.

  1. Beide Berichte aktivieren, bevor sie gebraucht werden. Keiner liefert Daten rückwirkend.
  2. Google-Impressionen pro Seite erfassen, nicht pro Marke. Mehr Dimensionen gibt Google nicht her.
  3. Bing Total Citations und, wo verfügbar, Citation Share je Grounding Query erfassen — klar als Zitationen benennen, nie als Erwähnungen.
  4. Beide Quellen getrennt halten. Sie zählen unterschiedliche Ereignisse auf unterschiedlichen Flächen; ein zusammengerechneter „KI-Sichtbarkeitswert“ zerstört genau die Eigenschaft, die sie brauchbar macht.
  5. Was die Plattformen nicht berichten — ob ein Modell die Marke im Fließtext nennt und wie es sie beschreibt —, über eine eigene Prompt-Stichprobe erheben: fester Prompt-Satz, festes Datum, genannte Modellversion, als Stichprobe gekennzeichnet.
  6. Diese Stichprobe monatlich mit denselben Prompts wiederholen. Ein wechselnder Prompt-Satz erzeugt eine Zahl ohne Aussage.

Wie sich das messen lässt

Nur Kennzahlen wählen, für die sich eine Quelle benennen lässt.

  • Impressionen aus KI-Funktionen je Seite und Monat aus der Search Console — der Verlauf zählt mehr als der Absolutwert.
  • Total Citations und Average Cited Pages aus den Bing Webmaster Tools.
  • Citation Share je Grounding Query, gelesen als Beobachtung zu dieser Query, nicht als Wettbewerbsposition.
  • Ergebnisse der eigenen Prompt-Stichprobe, versioniert nach Modell und Datum, mit ausgewiesener Stichprobengröße.
  • Assistierte Effekte: Suchvolumen auf die Marke und Direct Traffic — dort zeigt sich Sichtbarkeit ohne Klick am ehesten.

Wo Teams hier falsch abbiegen

  • Zitationen als „Erwähnungen“ berichten. Keine der Plattformen misst, ob ein Modell den Markennamen im Antworttext nennt.
  • Eine gekaufte „Wettbewerbs-Share-of-Voice in LLM-Antworten“ für Plattformdaten halten. Microsoft legt keine Wettbewerber-Domains offen, Google gibt auf Query-Ebene gar nichts heraus — eine solche Zahl stammt aus dem Prompt-Sampling eines Anbieters.
  • Einen leeren Google-Bericht als Null-Sichtbarkeit lesen, während der Rollout noch läuft.
  • Grounding Queries als Such-Keywords behandeln und Content danach briefen.
  • Crawler blockieren, ohne zu prüfen, welche Fläche das jeweilige Token überhaupt steuert.

Quellen

KI-Markenmonitoring: häufige Fragen

Sehe ich, welche Prompts zu einer Nennung geführt haben?

Bei Google nicht — der Bericht hat keine Query-Dimension. Bing zeigt Grounding Queries, das sind aber die Abrufphrasen der KI, nicht die Nutzereingabe. Alles darüber hinaus stammt aus eigener Stichprobenerhebung.

Gibt es eine offizielle Share-of-Voice-Kennzahl?

Nur Microsofts Citation Share, und das ist der Anteil an Zitationen zu einer Grounding Query — nicht am Traffic und nicht an Markenerwähnungen. Microsoft bezeichnet sie ausdrücklich als beobachtend.

Liefern OpenAI oder Perplexity Sichtbarkeitsdaten für Publisher?

In deren eigener Dokumentation ließ sich nichts dergleichen bestätigen. Zahlen zur Sichtbarkeit in ChatGPT oder Perplexity sind bis auf Weiteres Drittanbieter-Stichproben.

Sollten wir KI-Funktionen zum Schutz der Marke abschalten?

Googles Steuerung entfernt die Inhalte aus AI Overviews, AI Mode und generativer KI in Discover — samt der Impressionen und des Traffics dieser Flächen. Rankings an anderer Stelle und das KI-Training bleiben unberührt. Es ist eine Distributions-, keine Sicherheitsentscheidung.

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